Die Cyberangriffe auf die Deutsche Bahn und die BDH-Klinik Greifswald zeigen, dass moderne Angriffe nicht zwangsläufig auf Datendiebstahl abzielen. Immer häufiger steht die Verfügbarkeit digitaler Dienste im Fokus.
Bei der Deutschen Bahn legte eine groß angelegte DDoS-Attacke Website, App und Buchungssysteme zeitweise lahm. Der Zugverkehr lief zwar weiter, Millionen Kundinnen und Kunden konnten jedoch keine Tickets buchen oder Reiseinformationen abrufen. Die Angreifer trafen gezielt die digitalen Zugangspunkte des Unternehmens.
Auch die BDH-Klinik Greifswald musste nach einem Cyberangriff Teile ihrer IT abschalten. Zentrale Abläufe konnten nur noch manuell durchgeführt werden – mit direkten Auswirkungen auf den Klinikbetrieb. Der Vorfall verdeutlicht, wie eng die Funktionsfähigkeit kritischer Prozesse heute mit stabilen IT-Systemen verknüpft ist.
Was Unternehmen daraus lernen können
Aktuelle Angriffe machen deutlich, dass Cybersecurity heute vor allem eine Frage der Resilienz ist. Unternehmen müssen davon ausgehen, dass Angriffe stattfinden, und sicherstellen, dass ihre wichtigsten Geschäftsprozesse auch im Ernstfall weiterlaufen.
Die wichtigsten Erkenntnisse:
Verfügbarkeit ist geschäftskritisch – nicht nur Datenschutz.
* Angriffe richten sich gezielt gegen öffentliche und kritische Systeme wie Websites, Apps oder Kundenportale.
* Einfache Angriffsmethoden können bereits erhebliche wirtschaftliche Schäden verursachen.
* Notfallpläne, klare Verantwortlichkeiten und Krisenkommunikation sind entscheidend.
* Abhängigkeiten von Cloud-Diensten und externen Dienstleistern sollten bekannt und abgesichert sein.
* DDoS-Schutz und kontinuierliche Überwachung gehören heute zur Grundabsicherung.
* Entscheidend ist nicht nur, Angriffe zu verhindern, sondern schnell und koordiniert darauf reagieren zu können.
Fazit:
Die Vorfälle zeigen: Die größte Gefahr ist häufig nicht der Verlust von Daten, sondern der Verlust der Handlungsfähigkeit. Unternehmen sollten ihre Sicherheitsstrategie deshalb stärker auf Resilienz, Verfügbarkeit und schnelle Reaktionsfähigkeit ausrichten. Denn die Frage ist nicht, **ob** ein Cyberangriff erfolgt – sondern wie gut das Unternehmen darauf vorbereitet ist.
| Auswahl bekannter Cybersecurity- und IT-Vorfälle in Deutschland bis April 2026 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Monat | Unternehmen/Institution | Branche | Art des Vorfalls | Kurzbeschreibung |
| Januar | Stadt Halle (Saale) | Öffentliche Verwaltung | Manipulation Warnsystem/ IT-Eingriff | Sirenen lösten Fehlalarm aus, mutmaßlich durch externen Zugriff |
| Februar | Deutsche Bahn AG | Transport/ Logistik | DDoS-Angriff | Website, App und Buchungssysteme massiv gestört |
| Februar | BDH-Klinik Greifswald | Gesundheitswesen | Vermutlich Ransomware/ IT-Störung | Klinikbetrieb eingeschränkt, Umstellung auf manuelle Prozesse |
| Februar | Hegelmann Express GmbH | Logistik | Unberechtiger Zugriff/ eventueller Datenabfluss | Externer Zugriff und Verschlüsselung von Daten |
| Februar | Renafan | Gesundheitswesen | Unberechtiger Zugriff/ eventueller Datenabfluss | |
| März | Cabka Group GmbH | Transport/ Logistik | Unberechtiger Zugriff/ eventueller Datenabfluss | |
| März | ASB LV-Saarland e. V. |
Gesundheitswesen | Unberechtigter Zugriff | Externer Zugriff auf einen Server. |
| März | Suchthilfe Essen gGmbH | gemeinnützige Einrichtung | Unberechtiger Zugriff/ eventueller Datenabfluss | Unberechtigter Zugriff und eventueller Datenabfluss |
